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»Eines Tages wird sich das doch noch alles verändern, die Armen sind in der Mehrheit, eines Tages werden sie ein besseres Leben führen, in einer besseren Umgebung ohne diesen Kapitalismus, ohne Existenzsorgen und ohne diese Gefahren«

Oscar Niemeyer (1907–2012)
Architekt

 
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Redaktion

Bert Brecht übers Knie gebrochen

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Porträt Bertolt BrechtKöln, 31.01.2012 | Am vergan­ge­nen Frei­tag war die Premiere von Brechts »Herr Puntila und sein Knecht Matti« im Kölner Schau­spiel­haus. Regie: Herbert Fritsch. Vorher hatte sich dieser Regis­seur schon zu seiner Arbeit per Inter­view ver­nehmen las­sen. Unter anderem in der Kölner Stadt­revue. Dieses Inter­view kom­men­tiert der Autor Maurice Andante.

Über die öffentlichen Äußerungen des Dramatikers Herbert Fritsch

Der Theatermacher Fritsch insze­niert gerade den »Puntila« von Bert Brecht im Kölner Schau­spiel­haus. Seine Insze­nie­rung ist nichts weniger als der Versuch, das Schaf­fen Brechts ins Sub­jek­ti­vis­tisch-Post­mo­der­nis­ti­sche hinein­zu­zie­hen und so die Arbeit Brechts in ihrer Wirk­weise zu unter­graben.

 

Der Regisseur räumte gegen­über der Kölner Stadt-Revue ein, dass seine Auf­füh­rung nicht viel mit dem Anlie­gen Brechts gemein habe. Letzt­lich führt Fritsch Brecht so auf, wie es ihm gerade in den Kopf kommt. Die große brechtsche Thea­ter­tra­di­tion wird vom Tableau geräumt, sowohl for­mal-ästhe­tisch als auch inhalt­lich in ihrem Stel­lung­neh­men gegen Krieg, Armut, Herr­schaft, Faschis­mus und Kapi­ta­lis­mus. Fritsch inter­es­siert sich eher für Lust, Rausch, Sado-Maso-Bezie­hun­gen und Freude, und unter­rührt dieses halb­gar in die Kunst-Suppe, die er aufkocht. Oben­drein desa­vou­iert er noch Brechts Ein­mi­schung in die Zeit mit der Bemer­kung: »Wenn sich Regis­seure zur tages­poli­ti­schen Lage als Exper­ten gerie­ren, bin ich nicht dabei.« Von der wirk­li­chen Wirk­lich­keit will Fritsch eben nicht viel wissen. In heuch­le­ri­scher Beschei­den­heit gibt er vor, die Rea­li­tät nicht zu ver­ste­hen. Sie scheint ihm aus Rat­lo­sig­keit und brö­ckeln­den Philo­so­phien zu bestehen. Außer­dem deutet er an, dass Brecht heute nicht mehr rele­vant sei, mit dem Hin­weis darauf, dass die Wirk­lich­keit sich verän­dert habe. Was denn nun? Eine Wirk­lich­keit, die eh nur Philo­so­phie ist und oben­drein brö­ckelt, also quasi nicht mehr exis­tiert, hat sich gegen­über früher verän­dert? Da sei Karl Valentin zitiert: »Früher war die Zukunft auch mal besser!«

 

Als ob das nicht alles aus­reicht, bläst Fritsch zum Sturm­an­griff auf eine der ent­schei­denen Leis­tun­gen des brecht­schen Thea­ters, näm­lich die Fähig­keit, Figu­ren so an­zu­le­gen, dass sie einer­seits noch kon­krete indi­vi­du­elle Men­schen dar­stellen, anderer­seits bestimmt werden durch Geschichte, Zeit und die prä­gen­den gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen. Diese komplexe Dar­stel­lung des Men­schen in seiner Subjekt-Ob­jekt­haf­tig­keit wird von Fritsch in gegen­auf­klä­re­ri­scher Manier als »thesen­haf­tes Gebrab­bel« bezeich­net. Nun ja, die Was­ser der Ein­di­men­sio­na­li­tät sind tief.

 

Maurice Andante
Foto: Archiv

 


Interview in Kölner Stadt­revue